Paulinum

RCDS Sachsen unterstützt Leipziger Petition "Wort halten!"

Die Universität Leipzig soll "Wort halten!"

Die Petition "Wort halten!" fordert die Rückkehr der historischen Barockkanzel in das Paulinum der Universität Leipzig, nachdem die Kanzel vollständig restauriert worden ist.

Hintergrund der Petition ist eine Entscheidung des Senats der Universität Leipzig aus dem September 2019, die Kanzel nicht im Paulinum aufzuhängen, weil die klimatischen Bedingungen dem Erhalt der alten Kanzel nicht zuträglich sind. Zu kritisieren ist an dieser Entscheidung nicht nur der Inhalt, sondern auch die Art und Weise, wie sie zustande gekommen ist. So wurde der damals zuständige Universitätsprediger Peter Zimmerling nicht angehört, um eine einvernehmliche Lösung in dieser Angelegenheit zu finden.

Entscheidung widerspricht Kompromiss aus dem Jahr 2008

Doch auch die Entscheidung selbst wirft Fragen auf, da sie dem sogenannten „Harms-Kompromiss“ vom Dezember 2008 widerspricht, in dem sich Vertreter der Landesregierung, der Stadt Leipzig, der Landeskirche und auch der Universität darüber einig waren, die vor der Sprengung 1968 geretteten Teile der Universitätskirche St. Pauli nach ihrer Restaurierung an den historischen Ort zurückzubringen, um sie dort auch der Öffentlichkeit in einem würdigen Rahmen zugänglich zu machen. Der berechtigte Einwand, das Klima im vorgesehenen Teil des Paulinums schade der Kanzel, muss entgegengebracht werden, dass es für eine solche Problematik mittlerweile durchaus technische Lösungen gibt.

Forderungen der Petition

Aus diesem Grund fordert die Petition aus Sicht des RCDS Sachsen auch zurecht, „dass anerkannte Experten für Raumklima & Denkmalschutz im Einvernehmen zwischen Staatsregierung und Universität beauftragt werden, eine wissenschaftlichen Standards genügende Expertise zur Machbarkeit der Kanzelaufstellung anzufertigen.“ Weitere Forderungen sind:

  • dass die Einigungen im sogenannten Harms-Kompromiss umzusetzen sind,
  • dass das bisherige Klimamonitoring jetzt unter probeweiser Anbringung (von Teilen) der im Mai 1968 geretteten historischen Barockkanzel der Universitätskirche St. Pauli weiterqualifiziert wird,
  • dass im Sinne der Forderungen des (ehemaligen) Universitätspredigers Zimmerling amicable Lösungen unter Einbeziehung der hierzu gemäß Staatskirchenvertrag verpflichteten sächsischen Staatsregierung gefunden werden,
  • dass der Freistaat Sachsen künftig alle erforderlichen Maßnahmen ergreift, um ein Mindestklima zu gewährleisten, das notwendig ist, um sowohl die Orgeln als auch die Ausstattungsstücke in dem als Universitätskirche und Aula genutzten Gesamtraum hinreichend zu schützen.

Der RCDS Sachsen unterstützt mit Nachdruck die Petition und unterstreicht die Notwendigkeit, die Kanzel als Symbol des freien Wortes aus dunklen Zeiten deutscher Geschichte aus der Kustodie der Universität Leipzig hervorzuholen und an einem würdigeren, gut zugänglichen Standort anzubringen. Der RCDS Leipzig machte bereits vergangenes Jahr auf dieses Thema aufmerksam.

Benedikt

RCDS-Senator über die Kanzel

Unser Mitglied Benedikt Bierbaum ist Senator an der Universität Leipzig. Auch er unterstützt die Petition:

„Dass die Kanzel zurück in die Kirche muss, steht für mich außer Frage. Dies ist nur folgerichtig und der Wortbruch mit dem Harms-Kompromiss schadet nicht nur der Reputation der Universität, sondern verkennt auch das Andenken an die Sprengung 1968, vor der unter größter Mühe und in kürzester Zeit die wichtigsten Kulturgüter gerettet wurden, unter anderem die alte Barockkanzel.

Die Universitätsleitung und das Rektorat sollten sich endlich dieser rechtmäßigen Forderung beugen und ein klares Zeichen für die Geschichte der Universität setzen. Es ist nicht in Ordnung, dass bereits Beschlossenes nicht umgesetzt wird. Viele der Argumente gegen die Kanzel finde ich zudem haltlos und vorgeschoben.

Es scheint mir auch, dass die Universität sich der eigenen Geschichte als ehemaliges Kloster verwehrt und vergisst, dass ohne die Kirchengüter eine Universität niemals an dieser Stelle entstanden wäre. Die Universitätskirche St. Pauli gibt es noch und auch wenn der Gebetsraum heute nur noch einen kleinen Teil vom Paulinum einnimmt, so hat sie doch ihre volle Daseinsberechtigung.

Die Aufstellung der Kanzel würde die Verbundenheit zur Geschichte unterstreichen, außerdem Besucher anziehen und als Andenken an die furchtbaren Taten des SED-Regimes erinnern, wovon die Sprengung der Paulinerkirche 1968 nur ein einzelnes, tragisches Beispiel ist.“

Über die Kanzel

Die Kanzel wurde 1738 von Valentin Schwarzenberger (1692-1754) aus Holz geschnitzt. Sie ist vergoldet und weiß gefaßt. 1968 wurde auf Betreiben der Universität und nach Beschluss der SED-geführten Stadtverwaltung die Kirche gesprengt. Kurz zuvor konnten zahlreiche Kirchenschätze wie die Kanzel gerettet werden. Derzeit wird der sogenannte Deckel der historischen Kanzel in einem Depot der Universität restauriert.